Projekt
Nach der Urbanisierung der Holzhausen-Oede ab 1873 entwickelte sich das Holzhausenviertel zu einem der exklusivsten Wohnquartiere Frankfurts. Hier ließen sich Unternehmer, Juristen, Ärzte und Intellektuelle nieder, darunter viele mit jüdischen Wurzeln oder einer politischen Haltung, die im Widerspruch zum aufkommenden Nationalsozialismus stand. Nach 1933 wurden zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner entrechtet, enteignet, vertrieben oder ermordet.
Dieses Projekt untersuchte die Auswirkungen der nationalsozialistischen Verfolgung auf die Bewohnerinnen und Bewohner des Holzhausenviertels mit dem Schwerpunkt Hammanstraße. Es sollen folgende Fragen geklärt werden:
- Wer waren die Betroffenen, und welche Schicksale ereilten sie? Wie viele Menschen waren betroffen, wie waren ihre familiären Strukturen, und was geschah mit den Kindern und alten Menschen?
- Welche Formen der Verfolgung und Enteignung fanden statt? Welche Diskriminierungs- und Gewaltakte ereigneten sich im Viertel, und welche Veränderungen im Immobilienbesitz sind nachweisbar?
- Welche Spuren hat diese Vergangenheit hinterlassen? Gibt es Gedenkorte oder historische Aufarbeitungen, die an diese Ereignisse mahnen?
Für jeden verfolgten Haushaltsvorstand wurde eine biografische Skizze mithilfe digitaler Verfahren in zehn definierten Schritten erstellt. Untersucht wurden alle Haushaltsvorstände, die zwischen 1933 und 1943 in den amtlichen Frankfurter Adress- und Hausstandsbüchern verzeichnet sind. Ergänzend wurden die Eigentümer sowie Veränderungen der Besitzverhältnisse ermittelt.
Ziel ist die Erstellung einer historischen Topographie mit Schwerpunkt Hammanstraße während der NS-Zeit, um das Gedenken an diese Epoche zu bewahren.
Bild: Registrierungskarte von Martin Weis, Hammanstraße 9 (Quelle: The National Archives, Kew, London)